Tibet Bike-tour 2005 (Lhasa - Kathmandu)
2005-08-02: Shanghai - Chengdu
Meine Reise hat endlich begonnen und ich fliege gerade von Shanghai nach Chengdu. Leider geht es mir immer noch nicht so gut, aber die Vorfreude, meinen großen Traum zu verwirklichen gibt einem wieder Kraft. Außerdem haben sich alle so lieb um mich gekümmert, hier gleich mal ein großes Dankeschön an Christina.
Ankunft in Chengdu, hier muss ich mich mit einer Dame vom TTB (Tibet Tourism Bureau) treffen, die mir mein Permit für die Einreise nach Tibet gibt. Nach etwas rumtelefonieren habe ich Sie auch endlich getroffen. Sie half mir dann auch ein recht günstiges Hotel zu finden.
...morgen früh geht es schon um 5 Uhr aus den Federn, um 6.30 Uhr sollte ich, wenn möglich, schon am Flughafen sein. Angeblich ist Lhasa zu dieser Jahreszeit überlaufen mit Touristen...hoffentlich nicht!
2005-08-03: Chengdu - Lhasa
...das war wohl etwas zu früh für die arme Hotelangestellte :-), aber Sie hat mir trotzdem noch ein Frühstück mitgegeben. Sie war so froh sich gleich wieder hinlegen zu können, dass Sie nicht mal mein Zimmer kontrollieren lies.
Es ging mir heute nun schon viel besser, mein Fieber dürfte auf jedenfall weg sein.
Schon vom Flugzeug aus hatte ich eine traumhafte Aussicht, aber auf dem Weg vom Flughafen nach Lhasa hat es mir ganz die Sprache verschlagen: Bunt verzierte Häuser, strahlend blauer Himmel und überall Gebetsfahnen, selbst auf Berggipfeln, wo man sich fragt wie die da nur hochkommen. Meinem Sitznachbarn im Bus gings allerdings nicht so gut, er hat sich erstmal entleeren müssen.
Meinen Guide hab ich allerdings nicht gefunden und ich hatte auch keine Adresse vom Hotel. Nach stunden langem laufen durch Lhasa mit vollem Gepäck (dabei wollt ich es doch ruhig angehen) hab ich die Suche aufgegeben. Ich versuchte Steven vom TTB in Shanghai zu erreichen, er war aber unterwegs und hatte ganz schlechten empfang. Erschöpft hab ich mich dann endlich für das schöne Dhood Gu Hotel entschieden und wollte mich dann am nächsten Tag auf die weitere Suche nach meinem eigentlichen Hotel machen. Schließlich hab ich hier schon für drei Tage bezahlt. Das Dhood Gu Hotel ist in einem nepalischem Stil, für ein "Single Bed" Zimmer zahlte ich 320 Yuan incl. Frühstück. An diesem Abend bekam ich noch heftige Kopfschmerzen, aber damit hatte ich schon gerechnet auf 3600m höhe.
2005-08-04: Lhasa
An diesem Morgen geht es mir schon richtig gut, meine Kopfschmerzen sind weg und das ohne Medikamente. Es ist auch überhaupt nicht ratsam Medikamente wegen der Höhe einzunehmen, am besten ist viel trinken und ein paar Vitamine. Nun muss ich leider schon gleich wieder aus dem Hotel auschecken, zum einen ist es ab heute total ausgebucht und außerdem sollte ich mein anderes Hotel finden, sonst zahl ich doppelt.
...na also, hab mein Hotel nun gleich auf anhieb gefunden, es ist das Snowland Hotel. Ich durfte sogar die vollen drei Nächte bleiben, obwohl ich einen Tag zu spät ankam. Dieses Hotel hat eine tolle Lage, mitten in dem noch übrig gebliebenen alten Teil der Stadt, ganz in der nähe vom Jokhang Tempel. Es ist wirklich günstig, gerade mal 30 Yuan pro Nacht, aber Dusche, Toiletten und Zimmer muss man teilen. Doch es gefiehl mir richtig gut, dass ich hier auch bis zum beginn meiner Radtour in diesem Hotel blieb.
Ach ja, zwecks diesem Permit...ohne dem in Tibet angeblich nichts geht und welches immer so schwer zu bekommen ist als allein Reisender, dieses wollte bis jetzt noch keiner sehen. Keiner am Flughafen von Chengdu oder bei der Ankunft in Lhasa, auch nicht als ich im Dhood Gu Hotel eincheckte und ebenfalls im Snowland Hotel wollte niemand was von einem Permit wissen. Erst als ich nun meinen Guide traf, er wollte mein Permit haben.
Den Rest des Tages bin ich noch gemütlich durch die Stadt geschländert. Leider ist vom ursprünglichen faszinierenden Lhasa nicht mehr viel übrig. Gerade mal der kleine alte Teil um den Jokhang Tempel und die Potala sind übrig geblieben, der Rest ist platt gemacht und statt dessen häßlige Betonhäuser hingestellt. Es ist wirklich schade was die Chinesen daraus gemacht haben.
Am Abend trank ich zum erstenmal den berühmten Yakbuttertee. Den wollte ich auf jedenfall mal probieren, obwohl er sehr gewöhnungs bedürftig ist. Nach dem ich die Hälfte von meinem Glas trank war ich der Meinung dies langt für den Anfang, doch zwei junge Einheimische saßen sich zu mir an den Tisch und bestellten sich eine ganze Thermoskanne mit dem Zeug. Die beiden schenkten mir immer wieder nach und ein "nein danke" wollten die einfach nicht verstehen. Doch die Schocktherapie half, ab diesem Zeitpunkt konnte ich den Tee ohne Probleme trinken :-).
2005-08-05: Lhasa, Besichtigung vom Sommerpalast
Am morgen war ich den Sommerpalast besichtigen und später noch ein Kloster in der nähe von Lhasa. Dies war noch alles in meinem Reisepaket vom TTB inbegriffen. Es lohnte sich aber, in der Gruppe waren sehr nette Leute dabei. Der Sommerpalast ist leider auch zum größten Teil zerstört und nur ein Teil wieder aufgebaut. Schön zu sehen ist vorallem, dass immer noch viele Pilger unterwegs sind, es ist schon erstaunlich dass sich die Tibeter nicht unterkriegen lassen, auch nach jahrelanger Unterdrückung durch die Chinesen.
2005-08-06: Lhasa, Besichtigung der Potala
Die Potala zu besichtigen ist recht teuer, 100 Yuan, aber einmal sollte man sie sich schon anschauen. Schade ist, das innen kein leben mehr herrscht, es sind nur wenig Mönche dort, die als Aufpasser tätig sind. Irre was dort an Schätzen liegt. Doch am schönsten ist die Potala immer noch von außen.
Am Abend kam auch mein Paket aus Shanghai an, juhuuuu. Es ging also doch alles gut. Ich hatte mein Fahrrad und ein großen Teil meiner Ausrüstung als Paket mit "China Railway Express" geschickt. Mir wurde gesagt es würde 7-8 Tage brauchen und genau nach 7 Tagen traf es nun ein. Lief also alles perfekt, leider wurde mir allerdings die Dose WD40 aus dem Paket gestolen.
2005-08-07: Lhasa, kleine Radtour nach Drepung Monastery
Mein nächster Plan war erstmal zwei kleine Radtouren von Lhasa aus zu unternehmen. Zum einen um zu schauen ob ich überhaupt fit genug bin für die große Tour und um mich aufs Fahrrad fahren in dieser Höhe vor zu bereiten.
Mein erstes Ziel war Deprung Monastary. Das Kloster ist gerade mal eine 8 km von Lhasas Innenstadt entfernt. Ich startete am Morgen und es war mal wieder traumhaftes Wetter. Um es am Anfang ruhig anzugehen hatte ich als Gepäck nur die hintere Satteltasche mit etwas Verpflegung dabei. Ich stellte recht schnell fest, dass ich die Abzweigung zum Kloster verpasst hatte. Dies störte mich allerdings nicht weiter und ich beschloss erstmal weiter in die falsche Richtung zu fahren und auf dem Rückweg das Kloster zu besuchen.
Zum Glück, denn als ich auf dem Rückweg an die Kreuzung kam wo ich bereits einige Stunden zuvor feststellen musste, dass ich zu weit gefahren war, sah ich vier andere Radfahrer, die genauso verloren an der Kreuzung standen wie ich zuvor. Wir kamen auch sofort ins Gespräch. Federico und Ruggero aus Italien und Nathalie und Xavier aus Frankreich. Die vier hatten sich Fahrräder in Lhasa geliehen für diesen Tag. Da den ihr Ziel auch Deprung Monastery war machten wir uns nun zu fünft auf den Weg zum Kloster. Am Kloster angekommen genossen wir die traumhafte Aussicht und tranken Yakbuttertee. Das Kloster war früher eines der größten Tiebets. Deprung wurde im Jahre 1416 gegründet. Der zweite Dalai Lama errichtete 1530 den Ganden Palast, welcher als Sitz für den dritten und vierten Dalai Lama diente, bis der fünfte mit dem Bau der Potala begann.
Am Abend trafen wir uns alle in Lhasa auf ein paar Bier und ein gutes Essen. Ruggero und Federico wollten am nächsten Tag mit dem Bus zur Ganden Monastery fahren. Da ich diese Strecke als meine Härteprüfung geplant hatte verabredeten wir uns dort zu treffen.
2005-08-08: Lhasa, Radtour nach Ganden Monastery
Das Kloster Ganden ist 40 km nordöstlich von Lhasa entfernt und liegt auf einer Höhe von 4500 m. Gegründet wurde Ganden im Jahre 1409 von Tsongkhapa. Es war das erste und eines der größten Gelugpa Kloster.
Ich hatte vor sehr früh loszufahren, doch ich kam wegen dem guten Bier vom Vorabend nicht aus dem Bett. Um 9 Uhr saß ich endlich im Sattel. Die Strasse nach Ganden ist recht eben, da sie im am Fluss Kyi-chu entlang verläuft. Hier ist die Strasse auch geteert. Um 12 Uhr erreichte ich den Fuß des Berges, auf dem das Kloster steht. Ab hier geht es auf einer Schotterstraße in ewigen Serpentinen den Berg hinauf. Ich brauchte weitere drei Stunden den Aufstieg. Leider ging in der zwischen Zeit der Bus, den Federico und Ruggero nahmen, wieder zurück nach Lhasa.
Total erschöpft angekommen, setzte ich mich auf eine Mauer und genoss die Traumhafte Aussicht ins Tal. Mönche umringten neugierig wie Kinder mein Fahrrad und spielten an der Gangschaltung und Bremse herum. Ich war leider zu erschöpft davon ein Foto zu machen. Viel Zeit zum Besichten des schönen Klosters blieb mir auch nicht, da ich ja noch zurück nach Lhasa wollte.
Die Abfahrt war ein riesen Spaß und ich ließ es mal richtig krachen. Doch dann sah ich zwei Radler mir entgegenkommen. Wir machten kurz rast und tauschten uns aus. Es war ein holländisches Pärchen, die vor 1 ½ Jahren in Holland losgefahren sind. Ihr Ziel ist ebenfalls Kathmandu. Von Holland bis nach Kathmandu... einfach nur genial. Die beiden gaben mir sehr gute Tipps und ich hoffte ich würde sie unterwegs wieder treffen, dies war aber leider nicht der Fall.
Am Abend war ich zwar total erschöpft, aber auch richtig froh, denn nun war ich mir sicher ich würde die Reise nach Nepal schaffen. Nach einer schönen, warmen Dusche traf ich Federico, Ruggero, Nathalie und Xavier zu einem Abschiedsessen. Von hier an trennten uns unsere Wege. Federico und Ruggero fuhren mit dem Jeep nach Kathmandu und Nathalie und Xavier macht sich auf zu einer Trekkingtour am Nam-tso.
2005-08-09: Lhasa, letzt Vorbereitungen vor dem großen Start
Ich entschied mich noch einen Tag hier zu bleiben, um noch letzte Erledigungen zu treffen. Als erstes kaufte ich mir eine Isomatte, ohne die hätte ich in den kalten Nächten richtig leiden müssen. Dann kaufte ich mir reichlich Verpflegung: 8,5 Liter Wasser, getrocknete Früchte, Kekse, fertig Nudeln, Nüsse, Milchpulver und Zucker. Nun fehlte mir eigentlich nur noch Öl für meine Fahrradkette, da mir ja mein Dose WD40 aus dem Packet, welches ich von Shanghai nach Lhasa geschickt hatte, gestohlen wurde. Ich suchte verzweifelt alle Läden in Lhasa ab, aber ohne Erfolg. In einem Fahrradgeschäft boten sie mir an meine Kette zu ölen, aber sie meinten sie könnten mir keine Dose verkaufen. So musst mein Fahrrad also ohne Öl auskommen... na ob das gut geht? Den Rest des Tages ruhte ich mich aus, schickte ein paar Postkarten ab und freute mich auf den nächsten Tag. Eine Genehmigung für meine Reise habe ich mir nun doch nicht mehr geholt... die hätte ich mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso nicht bekommen. Ich dachte, ich erspar mir die ganzen Diskussionen beim TTB und ziehe einfach los.